Nahrung und Ernährungsweisen

Alle Storcharten leben von tierischer Nahrung, wobei es ein großes Beutetierspektrum gibt. Typisch sind kleinere Fische, Frösche, Insekten und kleine Säugetiere. Spezielle Nahrung nehmen nicht nur die bereits erwähnten Klaffschnäbel, sondern auch die 4 Arten der Gattung Mycteria auf. So frißt der Waldstorch neben der typischen Beute auch Salamander, Schlangen und sogar kleine Alligatoren und der Milchstorch ernährt sich fast ausschließlich von Schlammspringern. Gerade diese Arten, die ihre Beute in schlammigen Gewässern fangen, haben eine spezielle Fangtechnik entwickelt: Während des langsamen Schreitens (z.T. mit ausgebreiteten Flügeln oder trampelnden Füßen) wird der untergetauchte Schnabel seitlich hin und her bewegt oder gar als Quirl benutzt, um Fische aufzuspüren bzw. aufzurühren. Der scharfkantige Schnabel schnappt im wahrsten Sinne des Wortes zu, sobald die Beute berührt wird - ganze 25 Millisekunden dauert die Reaktion. Sie ist damit eine der schnellsten, die jemals bei Wirbeltieren gemessen wurde.

Bei dieser Spezialisierung auf bestimmte Nahrungstiere ist es nicht verwunderlich, daß gerade Störche sehr stark von deren Verfügbarkeit abhängig sind. Das hat nicht nur Einfluß auf den Beginn der Brutzeit, den Bruterfolg oder die generelle Konstitution der Vögel, sondern im Extremfall auch auf die gesamte Population. Das ist kein Wunder, wenn man z.B. bedenkt, daß die Buntstörche im thailändischen Bharatpur-Nationalpark für die Aufzucht ihrer Jungen täglich 60 t oder ein einziges Waldstorchpaar für sich und seine Jungen in einer Brutsaison ca. 200 kg Fisch benötigen.

Weit weniger spezialisiert sind die Arten der Gattung Ciconia, vielleicht mit Ausnahme des Abdimstorches, der sich fast ausschließlich von Insekten (Wanderheuschrecken, Heerwurmraupen) ernährt. Dennoch gibt es bei den anderen Arten dieser Gattung Lieblingsspeisen, die sich individuell, saisonal oder regional unterscheiden. Ein bekanntes Beispiel ist der Weißstorch, der im Winter in Afrika viel mehr Insekten (Wanderheuschrecken) frißt als in Europa. Oder: Der Anteil der Amphibien in der Nahrung ist in Ostpolen oder in den jugoslavischen Soave-Auen viel größer als bei uns.

Jabirus und Riesenstörche fressen in erster Linie Fisch, der im Einzelfall bis 500 g wiegen kann, die Beute wird zum Teil in einer Gemeinschaftsjagd zunächst in flachere Bereiche der bevorzugten Jagdgewässer (schlammige Fluß- oder Seebereiche) getrieben, ehe sie mit gezielten Schnabelstößen erbeutet werden.

Storchuntypisch ist die Ernährungsweise der Marabus, die in erster Linie von Aas leben Wegen ihrer gewaltigen Schnäbel sind sie die "kings" an jedem Kadaver - weder die vielen Geier noch die Schakale oder anderen Teilhaber machen ihnen den Platz streitig. Der Schnabel ist nicht nur zum Abschneiden geeignet, sondern ebenso gut für das Abzerren von Fleischstücken, die in einer Größe von bis zu 1 kg abgeschluckt werden. Besonders während der Brutzeit nutzt der Marabu allerdings auch andere Nahrungsquellen. Um seine schnell wachsenden Jungen mit energiereicherem Futter zu versorgen, fängt er dann auch Fisch, Ratten, Heerwurmlarven und seit einigen Jahren vermehrt auch Flamingos, so daß deshalb schon der Bruterfolg in Kolonien von ca. 4.500 Paaren völlig ausblieb. Gerne fressen Marabus auch in der Nähe menschlicher Siedlungen an Abfallhaufen oder an Schlachthäusern, dort hat ein Vogel in einem Fall nachweislich ein Messer verschluckt, das er unbeschadet und blitzsauber wieder ausschied.

Die Vorliebe für solche Nahrungsquellen wurde dem Großen Adjutant in Indien allerdings zum Verhängnis. Dort hatte sich der Argala u.a. sogar von menschlichen Leichen ernährt, die in den Städten neben allerlei anderen Kadavern zu finden waren. Mit der rigorosen Beseitigung dieser hygienisch bedenklichen Entsorgungsmethoden im Rahmen einer Kampagne verlor der Indische Marabu seine wichtigste Nahrungsressource und hat u.a. deshalb in den letzten Jahren drastische Bestandseinbußen hinnehmen müssen. Seinem Vetter (dem Kleinen Adjutant), der im gleichen Gebiet vorkommt, aber nie solch enge Verbindung zur menschlichen Zivilisation hatte, blieb dieses Schicksal bisher erspart.