Morphologie

Zur Größe wurde bei den einzelnen Arten bereits etwas gesagt, den Rekord hält mit 9 kg und 1,52 m der Marabu. Der Abdimstorch ist der Zwerg unter den Störchen. Er erreicht lediglich 0,75 m und 1,5 kg.

Der Schnabel ist bei allen Störchen groß, bei einigen Arten sogar gewaltig, der des Marabu ist fast 35 cm lang. Die Schnabelform ist meist gattungstypisch und abhängig von der Ernährungsweise - je vielfältiger die Nahrung, desto unspektakulärer ist der Schnabel, z.B. bei den Arten der Gattung Ciconia.

Riesenstörche und der Jabiru haben einen leicht nach oben gebogenen Schnabel, der dem Fischstechen in flachen Gewässern angepaßt ist.

Der Marabu-Schnabel dient als ausgezeichnetes "Fleischbeil", das zu den gefährlichsten Waffen in der Vogelwelt überhaupt zählt. Mit ihm können Marabus nicht nur andere Vögel oder Säuger am Aas vertreiben, sondern dasselbe sogar öffnen. Diese Ernährungsart hat auch zur Ausbildung eines nackten Kopf- und Halsbereiches geführt, die beim Fressen im blutigen Aas nicht so schnell verschmutzen.

Die ungewöhnlichsten Schnäbel haben ohne Zweifel die Störche der Gattungen Mycteria und Anastomus. Der Schnabel der Waldstörche (Mycteria) ist an der Spitze leicht abwärts gebogen, der Querschnitt ist rund und sie besitzen in diesem Bereich mehr taktile Sensoren als andere Arten, damit sie im schlammigen und undurchsichtigen Wasser besser ihre Nahrung erlangen können. Um dabei das Gefieder nicht zu beschmutzen, haben sie auch nackte Köpfe, der Waldstorch sogar einen unbefiederten Hals. Für die Klaffschnabelstörche (Anastomus) ist der Schnabel sogar namengebend, weil er eine einmalige Deformation ausfweist. Der Oberschnabel ist gerade, der untere in der Mitte aufgebogen, so daß eine Lücke zwischen den Schnabelhälften entsteht. Erst diese Sonderbildung gestattet es den beiden Arten dieser Gattung, ihre Lieblingsspeise zu erlangen. Damit können sie Apfelschnecken (Pila spp.) u.a. Wasserschnecken sowie -muscheln aus ihren Schalen polken, indem die Unterschnabelspitze unter den Verschlußdeckel der Schnecke gesteckt wird. Mitunter impft der Storch vorher ein "Narkosemittel" ein, damit sich der Schließmuskeld er Schnecke entspannt. Dann dreht wohl die Oberschnabelspitze den Schneckenkörper aus. Ganz genauere Beobachtungen des Mechanismus fehlen aber noch. Die besondere Schnabelform ist übrigens nicht angeboren, sondern entsteht im Laufe der Jugendentwicklung, weil bereits die Nestlinge mit Schnecken gefüttert werden.

Im Hals befinden sich bei einigen Arten (besonders ausgeprägt beim Großen Adjutant und beim Marabu) subcutane Luftsäcke, einer hängt als sichtbarer Sack vorn herunter, der andere befindet sich oberhalb und ist nicht sichtbar. Funktionell haben sie nichts mit einer Ablage für den schweren Schnabel zu tun, wie man früher dachte, sie besitzen vielmehr Bedeutung beim Balzverhalten und als Kühlorgan.

Der lange Hals und die langen Beine der Störche haben Vorteile bei der Erlangung der Nahrung - sie können die Beute dadurch aus sicherem Abstand erspähen, sie schnell verfolgen und auch in tiefem Wasser waten.

Störche haben lange und breite Flügel, die sie zu exzellenten Segelfliegern machen, allerdings sind sie stark von den entsprechenden Luftströmungen abhängig, denn ausdauernden Schlagflug können sie (bis auf kleinere Arten wie der Schwarzstorch) nicht vollführen. Der Mohrenklaffschnabel besitzt wohl als einziger Storch auch andere Flugtechniken - er kann sich wie eine Seeschwalbe im Sturzflug in´s Wasser fallen lassen und sogar mit dem Rücken nach unten fliegen. Außer dem Maguaristroch, von dem Keilflugformationen bekannt sind, haben Störche keine mit Gänsen, Pelikanen o.a. Arten vergleichbaren Flugformationen. In der Regel halten Störche beim Fliegen den Hals lang ausgestreckt, eine Ausnahme bilden die Marabus, die ihn wegen der schweren Schnäbel anwinkeln.

Das Gefieder der Störche ist meist eine Kombination aus schwarz(grau) und weiß. Schnabel, Gesichtshaut und Beine sind dagegen oft prächtig gefärbt (Sattelstorch). Eine Ausnahme ist der völlig schwarze Mohrenklaffschnabel, dessen Gefieder aber ähnlich wie beim Schwarzstorch metallisch glänzt. Besondere Federstrukturen wie z.B. bei den Reihern fehlen, dennoch haben einige Ciconia-Arten ein auffälliges Halsgefieder, das v.a. bei der Balz abgespreizt wird. Am weitesten entwickelt ist dies beim Wollhalsstorch, dessen gesamtes Halsgefieder eine wollähnliche Struktur aufweist. Schwarzstörche haben verlängerte Unterschwanzdecken, die dem Partner präsentiert werden.