Paar- und Brutverhalten

Im Zusammenhang mit der Paarbildung und Balz haben nicht nur die eben erwähnten morphologischen Strukturen eine Bedeutung, wichtig sind hier bei den Störchen vor allem Bewegungsweisen und akustische Signale. Sie unterscheiden sich zwar bei den einzelnen Arten, haben aber auch einige Gemeinsamkeiten. Das sogenannte "up-down-display", bei dem die Paarpartner zur Begrüßung ihre Köpfe auf und nieder bewegen und ggf. dabei klappern oder rufen, ist wohl am weitesten verbreitet. Der unterschiedliche Aufbau dieses Verhaltens führte zum Beispiel zur Arttrennung des Indischen und Afrikanischen Marabu, während beim Argala das Klappern mit dem Kopfzurückbiegen gekoppelt ist, gibt der Marabu bei dieser Phase einen Grunzton von sich und klappert erst beim Verbeugen.

Das Klappern ist die wohl bekannteste Art der Lautgebung bei Störchen, allerdings ist sie nur bei unserem Weißstorch derart ausgeprägt. Die anderen Arten klappern nur selten, der Buntstorch z.B. nur während der Kopulation, oder gar nicht, wie die in dieser Hinsicht behinderten Klaffschnäbel, die allerdings bei der Paarung durch das Aneinanderschlagen der Schnäbel der Partner ähnliche Laute von sich geben. Ausführliche Studien dazu gab es auch beim Weiß- und Schwarzschnabelstorch, die nicht nur wegen ihrer unterschiedlichen Morphologie als Arten getrennt wurden, sondern auch wegen ihrer gut unterscheidbaren akustischen und optischen Verhaltenselemente.

Nicht alle Storcharten leben so solitär wie z.B. der Schwarzstorch, es gibt alle Übergangsformen bis zu echten Koloniebrütern. Zu denen gehören die Waldstörche und Klaffschnäbel ebenso wie Abdimstörche und die drei Marabuarten. Der Argala brütete noch 1877 zu "Millionen" in einer Kolonie in Burma, eine riesige Silberklaffschnabel-Kolonie von mehreren tausen Brutpaaren existiert in Wat Phai Lom in Thailand. In lockeren Brutgemeinschaften, bei denen die Störche keine speziellen Verhaltensweisen koloniebrütender Arten zeigen, finden sich der Maguari-, der Schwarzschnabel- und der Weißstorch zusammen, letztgenannter zum Beispiel auf Kirchen in verschiedenen Orten Spaniens.

Die Brutsaison ist bei den drei Arten, die in den gemäßigten Breiten zur Fortpflanzung schreiten an das Frühjahr und den Sommer gebunden. In den Tropen brüten die Störche in Abhängigkeit vom Wasseraufkommen, nicht unbedingt nur in der Regenzeit wie man annehmen sollte. Der amerikanische Waldstorch brütet z.B. während der Trockenzeit, weil er dann optimale Ernährungsbedingungen vorfindet. Die Nahrungskonzentration in den eingetrockneten kleineren Tümpeln ermöglicht ihm, die Beute leicht zu fangen. Der Milchstorch am Viktoriasee beginnt dagegen beim Einsetzen der Regenzeit mit der Brut, weil dann große Flächen überflutet werden und in den entstehenden Tümpeln Fische leichter zu erbeuten sind als im tiefen See.

Als Neststandort wählen die meisten Arten Bäume, jedoch brüten einige Störche auch am Boden (Maguari), auf Felsen (Abdim) oder auf Gebäuden (Weißstorch). Die Nester werden aus mehr oder weniger dicken Ästen gebaut, die beim Jabiru und beim Weißstorch noch mit Grassoden bedeckt werden. Jedes Jahr wird das Nest erneuert und Nistmaterial ergänzt, so daß große Bauwerke von 3 m Höhe (Weißstorch) oder 2 m Durchmesser (Sattelstorch) entstehen können.

Kopulationen finden in der Regel auf dem Horst während der Nestbauphase statt, die Männchen klappern dabei.

Die Eier werden meist innerhalb einer Woche nach Beginn der Kopulationen in einem Abstand von zwei Tagen gelegt, die des Marabu messen 84x62mm, die vom Abdimstorch nur 55x45mm bei einem Gewicht von 58 g. Die meisten Arten legen drei bis fünf, max. 7 Eier, der Sattelstorch hat aber nur ein Ei. Die Brut beginnt nach Ablage des ersten oder zweiten Eis und dauert zwischen 25 und 38 Tagen, der Schlupf ist dementsprechend asynchron.

Junge Störche haben in der Regel ein weißes Dunengefieder, eine Ausnahme bildet der Maguaristorch, dessen Junge (offenbar wegen der Tarnung im Bodennest) schwarz gefärbt sind. Die Jungen werden bei allen Arten von beiden Eltern gefüttert, mit z.T. außerordentlich großen Futtermengen, kein Wunder, denn die Nestlinge können 50-60% ihres eigenen Körpergewichts vertilgen. Ein maximales Körperwachstum erfolgt in den ersten drei Wochen. Flügge sind die Jungen der kleineren Arten mit 50, die der größeren mit 100 Tagen. Sie werden von den Altvögeln noch einige Wochen geführt, während der sie nachts zum Schlafen auf den Horst zurückkehren.

Der Bruterfolg liegt bei den kleineren Arten höher als bei großen, Waldstorch und Silberklaffschnabel haben 3 Junge pro Paar/Jahr, Marabus max. 1 Junges pro Paar/Jahr.

Die Geschlechtsreife tritt normalerweise mit 3-5 Jahren ein.

Das Maximalalter eines Wildstorches (Ciconia ciconia) lag bei 33 Jahren, das eines Schwarzschnabelstorches in Menschenobhut bei 48 Jahren.